Erster Turnierstart – ein amüsanter Erfahrungsbericht von Natalia

Nach insgesamt drei Jahren Tanzschule, ein paar Monaten Liveunterricht und fünf Monaten Online-Unterricht in der Vorturniergruppe und nach dem uns Hans und Doris uns die Folgen für die geforderte drei Tänze (davon jeweils die kurze Seite !!!online!!!) beigebracht haben, wollten wir es wissen, die Lockerungen nutzen und ins Turnierleben Hals über Kopf wagemutig reinspringen. 

An einem sehr späten, schicksalhaften Abend meldete Wolfram uns zum Turnier „Aschaffenburg tanzt“ an. Ich fiel mental in Ohnmacht. Ich habe von Wolfram einen Schwur abverlangt, die ganze Sache mit dem Turnier so weit es geht geheim zu halten, damit die Leute im Verein uns nicht für verrückt erklären und einen riesen Bogen um uns machen. 

Zum Glück wurde der Termin im April wegen Corona auf 27.06. verschoben, somit hatten wir etwas mehr Zeit, um die Folgen einzustudieren. Bis die Halle gesperrt war, nutzten wir leere Parkplätze und Parks in der Umgebung, um die Folgen komplett abzutanzen. Die Passanten applaudierten und gaben uns 10 Punkte. Das hat uns natürlich unheimlich erbaut. Mit dem Vereinstraining ging es anders, wir haben nie 10 Punkten bekommen, es ging hoch und runter, mal waren wir hochbegeistert „es läuft, wird schon“, mal niedergeschlagen „es wird nichts“, mal zuversichtlich, mal flossen die Tränen. Natürlich nur bei mir, Wolfram ist da ganz anderes☺)))

Der Termin nahte und somit stieg die Spannung. Mein Kopf machte nicht mit und weigerte sich trotz all meiner Bemühungen links zu bleiben. Ich versuchte es mit Tipps von Irina „Stau auf der A3“ oder mit dem Hinweis von Andrea „Schlafen im Auto an der Fensterscheibe“, zum Schluß ermahnte sie mich mit „Pistole an der Schläfe“. Die Schulter von Wolfram wollten nicht runtergehen. Seine Finger waren gespreizt wie eine Mauerkelle. Kurzum eine Woche vor dem Turnier wollte ich nur eins: „Absagen“. 

Aber es half nichts gegen Wolframs Sturheit, kein Klagen und kein Jammern. Wir packten unsere Sachen und fuhren los. Zum Abendessen suchten wir uns ein Wirtshaus, konnten aber wegen der Aufregung kaum was essen. Statt dessen, malten wir auf einen Zettel unsere Schritte. Spät abends im Hotelzimmer hielten wir mit zitterigen Händen die Tabellen mit den Tanzfolgen und diskutierten, wann wir starten sollten beim Quickstep, bei 8 oder danach. Ich hatte ein komplettes Blackout. Konnte nicht einschlafen, in meinem Kopf war nur „Kreisel, Wischer, Impetus, Flechte, Kopf hoch, ich bin eine Königin, meine Krone fällt nicht runter, in der linker Hand halte ich die Kanne hoch, ich renne nach vorne mit einer Fackel, ich bin die Freiheitsstatue, Kopf bleibt links, ganz links, sehr links, Kopf bitte links bleiben, lieber Kopf tue mir bitte, bitte einen Gefallen, nur ein einziges Mal beim Turnier, danach kannst Du machen, was du willst…“ Wo ist links überhaupt?

Am nächsten Tag war es so weit. Im Frühstücksraum saßen schon unsere Mitbewerber und musterten uns neugierig. Ich sagte fröhlich „Guten Morgen“ in die Runde und versuchte tapfer zu lächeln. Uns gegenüber saß ein Ehepaar, das uns sehr wohlwollend anschaute. Wir kamen ins Gespräch und es hat sich herausgestellt, dass es sich um den DTV Chairman und seine bezaubernde Frau handelt. Wir hatten eine ganz nette Unterhaltung mit den beiden, während die Konkurrenz sich schweigend zurückzog. Wolfram drückte mir fast unauffällig auf den Fuß unter dem Tisch, weil ich wieder mal beim Quatschen kein Ende fand. Die beiden wünschten uns auf jeden Fall viel Erfolg und Spaß beim ersten Turnier. 

Als wir im Tanzclub angekommen sind, waren schon alle Mitstreiter da. Viele kannten sich von anderen Turnieren. Manche machten sich warm, manche plauderten. Wir platzierten uns an der Seite. Unsere Nervosität steigerte sich von Minute zu Minute. Wegen der schlaflosen Nacht fühlte ich mich richtig aufgekratzt. Auch die von der Apothekerin hochgelobten Beruhigungsglobuli haben keine Wirkung erzielt. Beim Eintanzen klatschte Wolfram auf den glatten Boden. Das war ein Auftakt! Ab jetzt konnte es ja nur noch besser werden. 

Die Gruppen wurden aufgeteilt, und es ging mit der Präsentation los. Da waren wir super cool! Zum Glück wurden wir durch Dagmar und Alois auf diese Präsentation sehr gut vorbereitet!

Und ab ging es mit dem langsamen Walzer. Wolfram spannte seine „Flossen“ wie ein Regenschirm und drückte brav seine Schulter runter, ich drapierte mich an ihn so gut es ging und versuchte meinen widerspenstigen Kopf nach „Stau auf A3“, an „Schlafen an der Fensterscheibe“ und an der „Pistole“ auszurichten.   Und ab diesem Punkt hatte ich einen Filmriss: was ich gemacht habe, welche Schritte, welche Musik lief, habe ich nicht mitbekommen, und da war es schon vorbei. Die Konkurrenz traute ich mich nicht anzuschauen. „Augen zu und durch“ war meine Devise. Als die drei Tänze durch waren, war ich schon unterwegs in die Umkleide als plötzlich unsere Nummer aufgerufen wurde. Wir waren weiter!!! Offensichtlich haben wir an der einen oder anderen Stelle doch etwas richtig getanzt!!! Unglaublich!!! Die Frau eines Wertungsrichters nach der erster Runde hat uns verraten, dass ihr Mann uns schon im Finale gesehen hat. Wie bitte? Wir? Im Finale? Meinte er wirklich uns?

Und dann packte uns der Ehrgeiz, jetzt müssen wir aber alles geben! Bei der nächsten Runde fiel ich nicht mehr ins Koma, ich war hellwach und überlegte beim Tanzen ganz genau, was ich machte. Und ab diesem Punkt lief alles schief. Dagmar hatte Recht, die Dame darf nicht denken, nur genießen. Die Bewertung für die 2. Runde fiel entsprechend aus. Am Ende waren wir doch mit dem 9. Platz bei 21 Paaren und ein paar Punkten beim unserem ersten Turnier sehr zufrieden. 

An dieser Stelle ganz herzlichen Dank für die Ermutigung von Dagmar und Alois, die immer an uns geglaubt haben, an Irina und Frank, an Sabine und Hubert für ihre wohlwollende Unterstützung und überhaupt an alle Turniertänzer, die wir beim freien Training kennengelernt haben. 

Ganz besonders möchten wir uns bei Doris und Hans bedanken, die uns geduldig, wirklich von Null, Schritt für Schritt alle Folgen beigebracht haben und uns buchstäblich auf die Tanzbeine gestellt haben. Die beiden haben mit uns eine echte Mammutaufgabe bewältigt.

Und natürlich bedanken wir uns herzlichst bei Michael und Andrea, die wirklich alles versucht haben, um uns die feinen Details des Tanzens zu vermitteln. 

Ich persönlich möchte mich auch bei meinem Tanzpartner und gleichzeitig meinem Mann bedanken, dass er genug Mut zur Lücke hatte, es reichte für uns zwei.

Als Resümee können wir an alle, die noch keine Turniere getanzt haben, unsere erste Turniererfahrung weitergeben: Tanzturnier macht Spaß, hat eine tolle Atmosphäre und bietet die Möglichkeit nette Leute kennenzulernen. Vor dem Start wünschten wir uns alle gegenseitig Glück. Ein Turnierteilnehmer sagte mir mit einem ehrlichen Lächeln: „wir sind alle eine große Tanzfamilie!“, und genau so haben wir uns dabei gefühlt.  Viele verabschiedeten sich von uns mit einem Spruch: Wir sehen uns beim nächsten Turnier! Und ich antwortete voller Überzeugung: Ja, wir sehen uns bei nächstem Turnier. Definitiv!

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